Getestet:TomTom GO 500

Getestet:TomTom GO 500

In seinem ausführlichen Produkttest berichtet Stephan von Arx von den Stärken und Schwächen des TomTom GO 500 Navigationsgeräts.

TomTom GO 500 kaufen

Testbericht zum TomTom GO 500 Navigationsgerät

Für zwei Wochen habe ich eines der neusten Geräte von TomTom, dem renommierten Hersteller von Navigationsgeräten und Anbieter von Geodaten aus den Niederlanden, für einen ausführlichen Praxistest, zur Verfügung gestellt bekommen. Das Gerät, welches ich testen durfte, war das GO 500. Der Unterschied zum GO 600 ist lediglich die etwas kleinere Bildschirmdiagonale (5“ gegenüber 6“) und beim GO 5000 resp. GO 6000 ist bereits eine SIM-Karte integriert (always connected). Was das in der Praxis bedeutet und für wen das relevant ist, werde ich noch genauer erläutern.

Diese neue Produkte Generation hat eine komplett neue Benutzeroberfläche – viele Funktionen wurden komplett neu konzipiert, ein paar wenige überarbeitet  und viele komplett gestrichen. Ein neues Produkt mit weniger Funktionen? Darf man das denn?

Ich glaube die Antwort auf diese Frage muss jeder für sich beantworten können – für mich aber – ist sie ein klares „Ja“. Für mich ist es relevant, wie schnell ein Navigationsgerät aufstartet und seine Position erfasst, wie gut/einfach ein Ziel ausgewählt werden kann, wie intuitiv sich eine Routenplanung mit mehreren Zwischenzielen erstellen lässt und wie zielsicher es mich durch verwinkelte Gassen am Zielort lotst.

TomTom GO 500

Das TomTom GO 500

 

Verkehrsinfos (Frühzeitige Anweisungen) – Akkulaufzeit – Genauigkeit

Da die Ankunftszeit massgeblich vom Verkehrsaufkommen abhängt, berechnet das GO 500 die Fahrzeit abhängig vom jeweiligen Wochentag und der entsprechenden Uhrzeit und passt nötigenfalls die Route auch an. Der Nutzer kann vorgängig in den Einstellungen definieren, ob er die schnellste, kürzeste, umweltfreundlichste oder eine Route unter Umgehung von Mautstrassen (Autobahn etc.) fahren will. Natürlich kann auch ein Fussgänger oder ein Fahrradfahrer das GO 500 benutzen – aber aufgrund der sehr schwachen Akkuleistung von nur ca. 2h und dem im Freien stark spiegelnden Display, ist das wohl eher eine Notlösung als eine wirklich praktikable Option.

Zusätzlich zu dem vergangenheitsbasierten Berechnungsmodell der Fahrzeit (iQ Routes), stützt sich das GO 500 auch auf aktuelle Verkehrsmeldungen ab. Dazu verfügt es über ein Strom-Kabel, dass auch als TMC-Verkehrsfunkempfänger fungiert und den TomTom Traffic Service, der sich über das Handy (oder die integrierte SIM Karte beim GO 5000) die aktuellsten Verkehrssituationen herunterlädt. Diese beiden Systeme könnten unterschiedlicher nicht sein.

Die TMC-Meldungen sind eigentlich die Verkehrsmeldungen, die übers Radio kommuniziert werden – d.h. es vergeht eine gewisse Zeit, bis sie ausgestrahlt werden und wenn sie ausgestrahlt wurden sind sie meistens schon nicht mehr aktuell.

Anders dagegen der Life Traffic Service, dieser berücksichtigt unterschiedliche Quellen – unter anderem auch alle Navigationsgeräte von TomTom, die mit dieser Technologie ausgerüstet sind, sowie Handys mit der TomTom Navigations-App. Dadurch entsteht ein zeitgenaues Abbild der Verkehrssituation, die wiederum in die aktuelle Routenplanung eingreift und wenn nötig korrigiert. Das funktioniert so gut, dass ich bei meinem Test das auf dem Display optisch dargestellte Stau-Ende (resp. der Beginn) quasi auf den Meter genau vorfand und natürlich dementsprechend meine Fahrweise anpassen konnte. Dieses System funktioniert überall wo genügend Daten verfügbar sind – also z.T. auch auf Haupt- und Nebenstrassen. Ein grosser Vorteil gegenüber den TMC Daten, die sich eigentlich fast immer auf die Autobahnen beschränken.

Und hier möchte ich auf eine spezielle Besonderheit des GO 500/600 eingehen. Da keine SIM Karte integriert ist und die Roaming-Gebühren für Datenverkehr über Mobilfunk im Ausland doch eher hoch sind, ist für Anwender, die ihr Handy mit dem Navigationsgerät koppeln ab der Grenze Schluss mit Verkehrsmeldungen.

Für Anwender, die häufig und längere Strecken im Ausland (Europa) zurücklegen, wäre die Anschaffung des GO 5000/6000 eine überlegenswerte Alternative. Die dort integrierte SIM Karte verursacht keine zusätzlichen Kosten, es ist kein Abonnement und der TomTom Traffic Service ist „always conncected“. Wer aber meint, er könnte den GO 5000/6000 als persönlichen Hotspot missbrauchen – Sorry, das funktioniert (leider) nicht.

Für alle GO 500/600 wäre der TMC Verkehrsfunk im Ausland ja eigentlich ausreichend – könnte man meinen. Aber TomTom hat leider noch eine Besonderheit bei dieser neuen Produktelinie hinzugefügt. Das Stromkabel fungiert als TMC Antenne – das Signal kann allerdings nur verarbeitet werden, wenn das Strom/TMC-Kabel statt direkt ins Gerät, in die Original-Halterung gesteckt wird. Man könnte meinen, dass das keine grosse Rolle spielt – bis man versucht die Original Halterung im Fahrzeug zu montieren. Eine glatte und ebene Fläche findet man in aktuellen Autos fast nirgends mehr, die Windschutzscheibe ist meistens sehr weit entfernt und die Polizei macht immer mehr Kontrollen, ob das Gerät die Sicht auch ja nicht einschränkt – und das kann sehr teuer werden und bis zum Entzug der Fahrerlaubnis führen. Abhilfe wäre ein Halter für die Lüftungsschlitze – das Gerät könnte bequem in Armlänge montiert und bedient werden – die Stromzufuhr via Zigarettenanzünder wäre geregelt – wäre, denn diesen praktischen Zubehörartikel gibt es nur für die alten Geräte. Für die GO 500/600/5000/6000 ist nach über einem Jahr ab Markteinführung immer noch kein zusätzlicher Halter verfügbar.

Um das Gerät überhaupt testen zu können habe ich es mit Tape an meinen „alten“ Lüftungsschlitzhalter geklebt – natürlich in dem Fall leider ohne TMC Verkehrsfunk.

Ein ebenfalls unverzichtbarer Zubehörartikel wurde mir allerdings für den Test zur Verfügung gestellt – ein High Speed Multicharger. Dieser erlaubt das Laden des Navigationsgerätes und stellt 2 USB Lademöglichkeiten für Peripheriegeräte zur Verfügung. Wenn, wie im Falle des GO 500/600, das Handy permanent mit dem Navigationsgerät gekoppelt ist (über Bluetooth und mit Hotspot)– wirklich unverzichtbar.

Trotz permanenter Bluetooth Verbindung bietet das Gerät übrigens weder eine Freisprecheinrichtung an, noch werden die Handy-Kontakte resp. deren Adressen mit dem Gerät synchronisiert – das ist irgendwie schade – könnte zumindest die letzte Funktion doch einfach per Software Update „korrigiert“ werden. Die Handy Navigation von TomTom bietet diese Funktion bereits seit langem an – und es ist wirklich praktisch nicht immer die Adressen eingeben zu müssen.

Der Lieferumfang

Im Lieferumfang befindet sich das Navigationsgerät, der Original Halter mit Saugnapf, das kombinierte TMC/Ladekabel, ein USB Kabel für die Aktualisierung zu Hause und eine Mini-Erste Schritte Bedienungsanleitung.

Der High Speed Multicharger ist nicht Teil des Lieferumfangs – aber eigentlich unentbehrlich bei täglichem Einsatz.

TomTom GO 500 Lieferumfang

TomTom GO 500 Lieferumfang

Bedienung

Nun noch kurz die entsprechende Software unter www.tomtom.com/getstarted herunterladen, einen neuen Account anlegen und los geht’s.

Kompatibel ist das System, sowohl mit Windows, als auch mit OS X. Das MyDrive Portal ist eine reine WEB-Applikation und bei dem lokal installierten Programm handelt es sich eigentlich nur um wenig mehr als die Gerätetreiber, damit die Systeme das Navigationsgerät auch erkennen.

Entgegen früherer Geräte, die mit TomTom HOME auf dem PC/Mac lokal geupdatet wurden, kann mit dem neuen MyDrive Portal keine lokale Sicherheitskopie des Geräts (Favoriten etc.) hergestellt werden. Zumindest hätte ich keine solche Funktion entdeckt.

Warum TomTom immer noch für jedes Gerät einen separaten Account und eine eigene E-Mail-Adresse benötigt, kann nicht nachvollzogen werden – offenbar gibt es einfach keine Anwender/Familien, die zwei Geräte haben.

Das Gerät wird nun endlich eingeschaltet und ich folge dem einfach verständlichen Tutorial. In dessen Verlauf werde ich aufgefordert das Mobiltelefon zu koppeln, das Konto auf dem Gerät einzurichten und die Aktualisierungen aus dem Internet zu holen – alles klar und einfach erklärt und in maximal 5 Minuten gemacht. Nun noch kurz die Option „ausländische Strassennamen vorlesen“ im Stimmen-Menu ausgewählt (sonst ist der Assistent z.T. zu schüchtern um mit uns zu sprechen) und somit wäre alles bereit.

Ich begebe mich nun auf den Weg – resp. die Strasse und gebe mein erstes Ziel ein. Der erste Eindruck ist – das Gerät ist schnell! Intuitiv werden die Ziele eingegeben und Routen erstellt.

Zuerst sollte man allerdings den Heimatort einstellen – er erscheint bei der Zielsuche immer zuoberst und erspart einem so das Suchen. Apropos Suchen – werden Ziele eingegeben, die später wieder verwendet werden, ist es ratsam sie unter „meine Orte“ abzuspeichern. Leider werden diese Favoriten nur alphabetisch sortiert – aber mit einem kleinen „Trick“ lässt sich dies dennoch etwas ordnen. Ich benenne meine Favoriten etwa so „10 Geschäftsadresse 1“, „50 Privatadresse 1“, die eigene Nummerierung lässt sich so für die Logik der Sortierung verwenden und beliebig erweitern.

Routen können ebenfalls erstellt und sofern gewünscht abgespeichert werden. Jederzeit können neue Stationen eingefügt und entsprechend auch neu geordnet werden.

Allgemein ist die Eingabe von Zielen oder Sonderzielen, wie Parkings, sehr benutzerfreundlich. Wenn ich z.B. ein Parking am Zielort suche – einfach am rechten Rand die Route zum Zielort scrollen – dort auf „P“ drücken – und schon erfolgt eine Darstellung der möglichen Parkhäuser/Plätze. Nun noch kurz einen Auswählen und die Zielführung kann gestartet werden.

Für andere Ziele drückt man auf das Zielsymbol auf der Karte und sucht „in der Nähe“ – das klappt für Restaurants, Kinos und generelle POI recht gut und zuverlässig. Die POI werden auf der Karte nicht mehr direkt dargestellt sondern lediglich am rechten Rand in der Navigationsleiste. Das führt aber dazu, dass die Karte aufgeräumt erscheint – klar und leicht verständlich – halt das, was man als Autofahrer überhaupt verarbeiten kann.

Display Qualität

Allgemein ist der Eindruck der Karte sehr gut. Die 3D-Darstellung in grösseren Städten ermöglicht einen guten Eindruck der Umgebung und eine klare visuelle Vorstellung der Strecke. Auch der Spur-Assistent auf der Autobahn weiss zu überzeugen. Insbesondere bei unklaren Signalisationen oder erhöhtem Verkehrsaufkommen (also eigentlich immer) ermöglicht das Gerät eine frühzeitige Anpassung der Geschwindigkeit oder Wahl der richtigen Spur.

Bei früheren Navis war man aufgeschmissen, wenn man während der Fahrt „kurz“ einen anderen Bereich aus der Karte ansehen wollte. Beim GO 500 reicht es die Karte mit einer Wischbewegung zu bewegen und mit der Fingerspreiz Geste zu zoomen. Die ursprüngliche Route kann mit dem Symbol „Pfeil nach links“ jederzeit wieder dargestellt werden.

Mein Fazit zum TomTom Go 500 findet Ihr unten in der Bewertungsbox.

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